Waltersdorf

Anlässlich der Neubebauung des Eckgrundstücks Königs-Wusterhausener/ Schulzendorfer Straße in Waltersdorf, Landkreis Dahme-Spreewald, im Jahre 1999 sollten die Baugruben für die beiden Gebäude archäologisch untersucht werden. An dieser exponierten Stelle, im Zentrum des Dorfes, waren Reste der mittelalterlichen Besiedlung und Nutzung zu erwarten.


"Woltersdorf" wurde erstmals 1355 urkundlich erwähnt, als der Berliner Bürger Petrus Krämer dem Dreifaltigkeitsaltar der Berliner Nikolaikirche die Renten von 4 Hufen übereignete. Da nach baugeschichtlichen Untersuchungen die Dorfkirche aber mindestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet wurde, muss die Siedlung älter als die Ersterwähnung sein. Im Landbuch Karls V. von 1375 wurde das Dorf mit 78 Hufen Ackerland aufgeführt, davon zwei Pfarrhufen, einen Lehnschulzenhof, 13 Kossäten, sowie einen Krug und eine Mühle. Die Hälfte der Gerichtsbarkeit und der größte Teil der Dorfherrschaft war damals im Besitz der Familie von Liepe, die andere Hälfte des Gerichts und Teile der Dorfherrschaft befand sich in Händen der Familie Hönow, die diesen Anteil kurz vor 1375 von der Familie von Grube erworben hatte.


Bei den archäologischen Untersuchungen wurden neun in den gewachsenen Boden eintiefende Befunde untersucht. Die sieben mittelalterlichen Gruben enthielten helle, sandige Verfüllungen, zwei moderne Baugruben für Fundamente wiesen dunklen humosen Boden auf. Das Fehlen von Hinweisen auf Gebäude lässt den Schluss zu, dass die Arbeiten im rückwärtigen Bereich des mittelalterlichen Grundstücks stattfanden. Die Gebäude, und damit die ehemalige Grundstücksfront, dürften an der Königs-Wusterhausener Straße westlich der Verkehrsinseln gelegen haben.


Die Gruben traten in zwei Gruppen auf, die von einer befundfreien Zone getrennt wurden. Die in Abschnitt 1 erfassten Gruben könnten damit bereits zu einem anderen Grundstück gehört haben als die in Abschnitt 2. Die Grundstücksgrenze wäre diesem Gedanken folgend später, nach einer großflächigen Zerstörung, verändert worden.


Insgesamt wurden während der Untersuchungen 257 Funde geborgen. Slawische Keramik trat zusammen mit deutscher Ware in drei Befunden auf. Die Gruben enthielten Fundensembles vom 12./13. Jahrhundert bis zu solchen aus dem 15. Jahrhundert. Neben der einheimischen Harten Grauware und der zumindest kleinräumig regional hergestellten neuzeitlichen Gelben Irdenware konnte auch Keramik aus dem Pingsdorfer Umkreis, engobiertes Faststeinzeug und Muskauer Steinzeug erkannt werden. Zwei moderne Eintiefungen waren mit Boden verfüllt, der neuzeitliches Fundgut enthielt.

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