Leistungen archäologische Voruntersuchungen, Prospektionen
Leistungen archäologische Voruntersuchungen, Prospektionen

Jüterbog

Jüterbog liegt in der Nutheniederung, am Oberlauf des Flusses. Die Nuthe dürfte einen alten Verkehrsweg von der Havel bei Potsdam zur Elbe darstellen. Die Tatsache, daß Jüterbog im 16. Jahrhundert eine eigene Weingilde besaß und im Nordwesten und Westen der Stadt Wein angebaut wurde, läßt sich als Hinweis auf ein sehr günstiges Mikroklima deuten.


Die Anwesenheit des Menschen im Gebiet von Jüterbog wird erstmals durch eine neolithische Siedlung belegt. Die weitere Nutzung machen bronzezeitliche Funde deutlich. Sie lassen sich der Lausitzer Kultur zuordnen. Analog zu anderen Fundorten wäre auch mit einer kaiserzeitli-chen Besiedlung zu rechnen, klare Belege dafür stehen aber noch aus. Slawische Funde aus der heutigen Dammvorstadt leiten die kontinuierliche Besiedlung Jüterbogs ein. Zu vermuten wäre, daß auf dem Schloßberg, einer Anhöhe in der sumpfigen Nutheniederung, bereits in älterslawischer Zeit eine Befestigung existierte. Schon damals dürfte Jüterbog Mittelpunkt einer Siedlungskammer gewesen sein.


Nach den ottonischen Eroberungen stieg der deutsche Einfluß. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg Jüterbogs fand im Jahr 1007 statt, als unter der Führung von Erzbischof Tagino eingedrungene christliche Polen vertrieben wurden. Spätestens mit der Ansiedlung der Flamen in der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das Gebiet um Jüterbog fest in die Verwal-tung des Erzbistums von Magdeburg eingegliedert. Das Jüterboger Gebiet lag zwischen der Landschaft Zauche, dem Teltow, der Lausitz und der Herrschaft Baruth. Es umfaßte also den Niederen Fläming, Luckenwalde und Kloster Zinna sowie deren Territorien.


Jüterbog wurde 1174 als Vorort mit Magdeburger Stadtrecht begabt (Blaschke 1987, S. 98). Die Stadt sollte, wie in der Verleihungsurkunde formuliert, 'Anfang und Haupt des Landes' sein. Die bei der Burg gelegene Liebfrauenkirche wurde 1173 erstmals genannt. Sie soll älter als die Nikolaikirche sein (Blaschke 1987, Tabelle S. 56). Allerdings könnte auch die Nikolaikirche älter sein, weil deren namensgebender Heiliger, das Patrozinium, aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt und sie zum Ausgangspunkt der Stadt wurde (Blaschke 1987,45), während die Liebfrauenkirche vor den Toren blieb. So ist auch unklar, ob die urkundlich genannte Vorgängersiedlung, ‘villa’ (eine offene Siedlung) an der Liebfrauenkirche (Schich 1987, 217) oder an der Nikolaikirche gelegen hat.

 

Zwischen 1178 und 1180 wurde Jüterbog bei einem Einfall der nördlichen Wenden und Pommern zerstört. Danach dürfte die Stadt am heutigen Ort aufgebaut worden sein. Die im 13. Jahrhundert begonnene Stadtbefestigung schützte aber jetzt die Siedlung um die Nikolaikirche und den Markt. Bereits 1285 wurde für Jüterbog ein Kaufhaus auf dem Markt erwähnt. An dessen Stelle wurde später das Rathaus erbaut. Doch der Rat konnte sich nie dauerhaft gegen den landesherrschaftlichen Vogt, der auf dem Schloßberg residierte, durchsetzen. Mit dem 15. Jahrhundert endete auch die Blütezeit Jüterbogs. Ein mehrmaliges Auftreten von Pestepidemien, Streitigkeiten des Landesherren, in die Jüterbog verwickelt wurde, und die Reformation beendeten das Wachstum der Stadt. Der dreißigjährige Krieg, der einen Bevölkerungsrückgang von 3-4.000 auf nur noch etwa 500 Einwohner auslöste, ließ Jüterbog bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts verarmt zurück.


Erst seit der Angliederung an Preußen wuchs die Bevölkerung wieder auf die mittelalterliche Größe an. Die Ansiedlung von Militär, die Anbindung an die Eisenbahn und der Chausseebau führten dann zu einer zweiten Blüteperiode, die Jüterbog bis auf über 15.000 Einwohner anwachsen ließ.

 

Mittelstraße

Zwischen August 1998 und September 1999 wurden in Jüterbog, Kreis Teltow-Fläming die Bauarbeiten zur Neugestaltung des Straßenzuges Mittelstraße archäologisch begleitet. Die Arbeiten erstreckten sich auch in die abzweigenden Straßen Kleine Kirchstraße, Große Kirchstraße und Rothes Meer.


Da in dem Bereich der größten Höhe des Jüterboger Stadthügels der gewachsene Boden nicht erreicht wurde, konnte auch dessen Oberkante nicht bestimmt werden. Daher muss offen bleiben, ob die Nikolaikirche auf einer Terrasse östlich der Hügelspitze, quasi als Anbau an ältere Strukturen, oder auf dessen zentralem Plateau errichtet wurde.


Die Phase 1 musste unterteilt werden, da die zugehörigen Befunde nicht datiert werden konnten. Die Phase 1a wird dabei durch Allerdings konnten keine eindeutig in diese Phase datierten Befunde nachgewiesen werden.


In die älteste Siedlungsphase, die Phase 1, gehörte eine Kieselsteinpflasterung als erste Straßenanlage. Sie konnte nur in der Mittelstraße von der Nikolaikirche zum Markt und im Rothen Meer nachgewiesen werden. Leider konnte sie nicht durch zugehörige Funde absolut datiert werden. Das älteste, umgelagertes Fundmaterial stammte aus dem späten 12. oder frühesten 13. Jahrhundert. Dazu gehörte Harte Grauware der Variante a, bemalte mittelalterliche weiße Irdenware und zwei Wandscherben Pingsdorfer Art, einmal mit einmal ohne Bemalung.

 

Zur Phase 2 zählt eine Kulturschicht aus dem 13. - 16. Jahrhundert. Der Bohlenweg in der Mittelstraße und der Großen Kirchstraße zieht in Richtung auf das Stadttor, ist also jünger als dieses. Er gehört somit ebenfalls in diese spätmittelalterliche Siedlungsperiode. Die älteste erfasste Bebauung auf der Mittelstraße dürfte nach Ausweis der Funde aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, stammen. Ein baufällige Keller, dessen Randbereiche ebenfalls in der Mittelstraße untersucht werden konnten, wurde im 16. oder 17. Jahrhundert verfüllt.


In der Phase 3 wurde eine zweite Planierschicht aufgebracht. Ihr weiträumiges Vorkommen ließ an eine größere Katastrophe denken. Die Funde stammen aus dem 17. Jahrhundert. Sie deuten einen Zusammenhang mit den Verwüstungen des 30-jährigen Krieges an.


Das Jüterbog der Phase 1 könnte aus verschiedenen Gründen mit der in den Quellen genannten 'villa', identisch sein. Als frühester Niederschlag menschlicher Besiedlung wäre die Kieselsteinpflasterung zu deuten, die Kirche und Markt verband. Sie würde gut zu einer der von Blaschke beschriebenen, frühen Kaufleutesiedlungen passen.


Nach 1180 wäre dann das Jüterbog der Phase 2 in den heutigen Grenzen entstanden. Die Kulturschicht Bef. Nr. 2 wäre der wichtigste Befund dieser Phase. Der Bohlenweg dürfte entlang der gesamten Mittelstraße verlaufen sein, der Abzweig zum Zinnaer Tor, durch die Große Kirchstraße, zeigt deutlich den Bezug zur Stadtbefestigung. Er könnte aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammen, der Blütezeit Jüterbogs.

 

Die Ablagerung der Kulturschicht über dem Bohlenweg mit Funden bis hinauf ins 16. Jahrhundert kann als erster Hinweis auf den Niedergang der Stadt gesehen werden. Eine eigens angelegte Straße verwandelte sich zurück in einen Trampelpfad.


Spätestens mit der Errichtung der ersten Bebauung im Straßenraum der Mittelstraße, vermutlich dem Haus des Pfarrers der Nikolaikirche, endete die mittelalterliche Entwicklung.


Die Funde deuten dabei ebenfalls ins 16. Jahrhundert. Von den Zerstörungen des 30-jährigen Krieges zeugt die mächtige Planierschicht Bef. Nr. 3, die Funde aus dem 17. Jahrhundert enthielt.

 

Schlosspark

Am 15.6.1999 wurden im Schlosspark in Jüterbog 16 Fundamentgruben für einen Spielplatz ausgehoben. Die Arbeiten, die im Bereich des bekannten Burgwalls1 stattfanden wurden trotz der geringen Größe der Gruben archäologisch begleitet. Die Gruben tieften in eine moderne Planierschicht ein, die auf der kleinen freigelegten Fläche 239 Scherben urgeschichtlicher Keramik und 17 Scherben mittelalterlicher oder jüngerer Zeitstellung enthielt.


Es handelte sich zum Einen um braune bis rotbraune, weich gebrannte Keramik mit grober Magerung. Der Bruch war in der Regel geschichtet. Es wurden zwei Randscherben, zwei Flachböden, ein Bandhenkel und 13 Wandscherben geborgen. Eine der Wandscherben war mit Rillen verziert, eine zweite trug eine geometrische Verzierung aus Rillenbündeln, die Anderen waren unverziert. Möglicherweise handelt es sich hierbei um bronzezeitliche Keramik.


Daneben traten schwarze, auch weich, aber reduzierend gebrannte Scherben auf. Sie waren einseitig, meist außen, geglättet oder poliert. Es wurden zwei Randscherben, ein Bandhenkel, ein Flachboden und 12 Wandscherben geborgen. Fünf der Wandscherben waren mit öfter mehrfachen Rillen verziert, eine trug zusätzlich eine Reihe von runden Dellen; die Anderen waren unverziert. Es wird vermutet, dass es sich dabei um eisenzeitliche Keramik handelte.


Den größten Anteil stellt eine handgemachte, weich gebrannte Keramik mit homogenem Aufbau und Glimmermagerung. Die Gestaltung der Ränder reicht von einfachen geraden Abschlüssen bis zu weit nach außen gebogenen Rändern, mit oder ohne verdickte Randlippen. Nur wenige Stücke weisen einen seitlich oder oben abgestrichenen Rand auf. Neben 23 Randscherben und vier Flachböden traten 179 Wandscherben auf. Sechsmal waren Scherben mit dem Gurtfurchenmuster verziert, einmal trat Kammstrich ? auf, einmal fanden sich Reste einer Leiste oder eines Henkelansatzes und einmal eine runde Knubbe. Dabei handelte es sich um spätslawische Keramik.

 

Außerdem wurden aus der Schicht noch ein Flachboden und sieben Wandscherben aus Harter Grauware geborgen, je zwei Randscherben und Wandscherben der glasierten neuzeitlichen Gelben Irdenware, eine Randscherbe der polychrom glasierten neuzeitlichen Gelben Irdenware, zwei Wandscherben modernes Steinzeug, eine Wandscherbe Steingut und eine Wandscherbe Braunzeug.


Da es sich z.T. um, für eine Planierschicht, ungewöhnlich große Scherben mit scharfkantigen Brüchen handelte, kann die Keramik nicht weit und nicht oft umgelagert worden sein. Es entstand vor Ort die Idee es handele sich um Funde aus dem Boden, aus dem die Wälle der slawischen Befestigung aufgeschüttet worden waren. Bei der Anlage des Parks wäre der Boden flächig aufplaniert worden.

 

1 Joachim Herrmann, Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle Gross-Berlins und des Bezirkes Potsdam 1960, 142, Nr. 103

 

Am Bleichhag

Die archäologischen Untersuchungen zwischen 2000 und 2001 zeigten, dass das ursprüngliche Gefälle des Jüterboger Stadthügels sehr viel steiler war als heute. Verschiedene Aufplanierungen veränderten besonders im Norden, im Bereich des Stadtgrabens, und im Süden der untersuchten Fläche, im Bereich vor der Stadtmauer, das Relief.


Eine Überraschung waren die urgeschichtlichen Funde, die vielleicht von einem Grab im Süden des untersuchten Bereiches stammten. Sie würden am ehesten in die späte Bronze- oder frühe Eisenzeit datieren.


Neben dem großen Stadtgraben im Norden konnte noch eine Eintiefung direkt vor dem Mauerring nachgewiesen werden. Das Fehlen von direkten oder indirekten Belegen für die Stadtmauer deutet darauf hin, dass noch im Mittelalter hier eine Schlupfpforte angelegt worden war. Nach der Aufbringung einer neuzeitlichen Planierschicht könnte, wohl nach Ende des 30-jährigen Kriegs, erstmals ein regulärer Weg entstanden sein. Der Durchgang durch die Stadtmauer stammt spätesten aus dieser Zeit. Vor Ort entstand der Eindruck, dass im 19. Jahrhundert der Weg zum Bleichhag und die benachbarten Flächen aufgeschüttet und bebaut wurden. Dabei wäre auch der weitgehend zugewachsene Stadtgraben einplaniert worden.

 

Am Frauentor

Bei der archäologischen Begleitung der Bauarbeiten am Frauentor wurden im wesentlichen nur die bekannten Befunde des Straßenraumes erfasst, eine dunkle, fettige Kulturschicht und eine meist lehmige Planierschicht. Nur im Westen der Straße wurde ein mehrperiodiges Feldsteinmauerwerk freigelegt, welches auf das an der Ecke Am Frauentor/Bleichhag stehende Wikhaus ausgerichtet war. Es dürfte zu einer älteren Phase dieses Turmes gehört haben. Rechteckige Weichhäuser finden sich in Stadtmauern seit der Mitte des 13. Jahrhunderts2, um 1300 sollen bereits runde Grundrisse, z.T. zusammen mit rechteckigen, auftreten3.

 

2 Fürstenwerder, Ldkr. Uckermark, noch erste Hälfte 13. Jahrhundert, nach: Dehio Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Die Bezirke Neubrandenburg, Rostock und Schwerin, 1968, 89; Prenzlau, Lkr. Uckermark, Ende 13. Jahrhundert, ebd. 286
3 Templin, Lkr. Uckermark, Ende 13. Jahrhundert ebd. S. 412; Friedland, Kr. Neubrandenburg, bald nach 1304, ebd., S. 86

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